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Herzlich Willkommen beim Landesfrauenrat Thüringen e.V.

Auf der Website des Landesfrauenrates Thüringen e.V., dem Dachverband 26 Thüringer Frauenorganisationen und politischen Interessenvertretung aller Thüringer Frauen. Unser Ziel ist die Verbesserung der Situation der Frauen in Beruf, Gesellschaft und Familie. Wir wollen den Einfluss von Frauen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft stärken.

Lassen Sie uns dazu gemeinsam:

Ideen entwickeln - Erfahrungen austauschen - Gemeinsamkeiten entdecken
Kommunikation pflegen - Solidarität stärken - Vernetzungen knüpfen
Informationen publizieren - Konzepte erstellen
Einfluss nehmen - Zukunft mitgestalten

Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit!
Wenn Sie Fragen oder Anregungen an den Landesfrauenrat Thüringen e.V. haben, dann schreiben Sie uns direkt.

Aktuelle Mitteilungen



Thüringen ist offen, bunt und tolerant!

Wohin soll sich eine Gesellschaft bewegen, wenn sie Teile, die ihr Ganzes ausmachen, ausschließt? Der Landesfrauenrat Thüringen e.V. sieht sich jeden Tag mit dieser Frage konfrontiert. Ganz gleich, welcher Teil der Gesellschaft ausgeschlossen werden soll, ob Frauen, Ausländer, Homosexuelle, Behinderte oder eben auch Anhänger einer bestimmten Glaubensrichtung, es ist immer Diskriminierung. Alle Teile einer Gesellschaft werden als Gesamtes gebraucht, denn sie geben ihr ihre Farben und damit ihre Vielfalt und Einzigartigkeit.

Der Landesfrauenrat Thüringen e.V. ist für eine offene, bunte und tolerante Gesellschaft. Wir sprechen uns gegen Vereinigungen wie „SÜGIDA“ aus, die gezielt versuchen, rechtsradikales und menschenverachtendes Gedankengut als demokratisch und bürgernah darzustellen.

Auf der 36. Delegiertenversammlung des Landesfrauenrates Thüringen e. V. verabschiedeten die Mitglieder einstimmig ein Positionspapier zur "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit". Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst alle Einstellungen, die Feindlichkeit gegenüber Gruppen anderer Menschen ausdrücken. Die Vorurteile gegenüber den unterschiedlichen Gruppen sind dabei eng miteinander verknüpft. Menschen mit Vorurteilen gegenüber einer Gruppe stimmen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auch Vorurteilen gegenüber anderen Gruppen zu. So zeigen z.B. einige Studien (z.B. Heitmeyer), dass Antisemitismus und Islamfeindlichkeit miteinander
zusammenhängen.

„Wir brauchen Toleranz und Verständnis. Das geht aber nur in einer vielfältigen und bunten Gesellschaft, in der wir aufeinander zugehen und auch offen für andere sind“, so die Vorsitzende des Landesfrauenrates Thüringen, Ilona Helena Eisner. „Menschen, die in Not bei uns anklopfen, sind nicht per se verdächtig!“

Wir haben es uns als Landesfrauenrat zur Aufgabe gemacht, uns gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und eine Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen auszusprechen, denn die Qualität und die Humanität einer Gesellschaft, erkennt man an ihrem Umgang mit schwachen Gruppen.

Der Landesfrauenrat Thüringen e.V. wird am 12.01.2015 an der Protestveranstaltung gegen „SÜGIDA“ in Suhl teilnehmen, um ein Zeichen zu setzen für eine tolerante und offene Gesellschaft und für ein demokratisches und buntes Thüringen.


V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307

             
 
Frauenquote ist keine Selbstverständlichkeit - Entwürdigende Fleischbeschau bei der TLM-Nachwahl

Interview mit Ilona Helena Eisner, Vorsitzende des Landesfrauenrates Thüringen e.V. zum Prozedere der Nachwahl von vier Frauen in die TLM Versammlung

Nach der Einführung des neuen Landesmediengesetzes im Sommer dieses Jahres, wurden am Dienstag vier Frauen in die Versammlung der Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) nachgewählt.

Frage: Wer sitzt in der TLM Versammlung (Thüringer Landesmedienanstalt)? Warum war die Nachwahl notwendig?

Eisner: In der TLM-Versammlung sind 30 Mitglieder aus allen im Landtag vertretenen Fraktionen, verschiedenen Verbänden und Interessengruppe, einschließlich der Kirchen, vertreten. Nach dem alten Gesetz mussten nur fünf Frauen zur Versammlung gehören. Da hieß die Formulierung „im Benehmen mit den Frauenorganisationen“: Der Landesfrauenrat sucht in seinen Mitgliedsorganisationen nach geeigneten Frauen, die sich zur Wahl stellen und die Delegiertenversammlung des LFR wählt so viele Frauen, wie nachberufen werden müssten. Diese wurden dann ohne weiteres Prozedere in die TLM-Versammlung aufgenommen. Solange wir uns zurück erinnern können, kam es nur einmal vor, dass auf diese Art und Weise drei Frauen berufen wurden. Meistens aber war es nur eine.

Frage: Was hat sich mit dem neuen Gesetz geändert?

Eisner: Mit der Änderung des Gesetzes hat sich auch auf Grund der Bemühungen des LFR die Zahl der Frauen, die im Gremium vertreten sein müssen, verdoppelt. Der Wortlaut des „Im Benehmen mit den Frauenorganisationen“ hat sich nicht geändert, aber nun der Umgang damit. Vier Frauen fehlten in der Versammlung, um gesetzeskonform zu sein. Sie fehlten, weil die meisten Verbände aus dem alten Selbstverständnis heraus immer nur männliche Vertreter entsandt haben. Verstehen Frauen nix von Medien? In Gesprächen mit Landtagsabgeordneten wurde deutlich, dass die Auswirkungen dieser Formulierung nicht vordergründig waren. Und das sich der Paragraph 42 des Landesmediengesetzes in sich selbst widerspricht, ist wohl nicht aufgefallen. Die Frage: „was will man wirklich“ oder „was heißt im Benehmen mit den Frauenorganisationen“ muss auf jeden Fall noch geklärt werden.

Frage: Wie ist die TLM mit dem Vorschlagsrecht der Nachnominierung umgegangen?

Eisner: Alle entsendenden Stellen konnten plötzlich noch eine Frau benennen. Für mich stellt sich die Frage, warum nicht gleich, wo sie ja offensichtlich doch da sind? Denn plötzlich stellten 17 von 28 entsendenden Stellen eine Frau als zusätzliche Kandidatin auf.

Frage: Sie kritisieren die Zusammensetzung des Gremiums, weil es zu männerlastig ist?

Eisner: Es ist doch verwunderlich, dass alle Organisationen, die erst kürzlich und nach Inkrafttreten des Gesetzes Mitglieder entsenden konnten, darunter der Gemeinde- und Städtebund, die Migrantenverbände, Bündnis 90/Die Grünen und die AfD, ausschließlich Männer  in die Versammlung entsandt haben. Bis auf eine, Bündnis 90/Die Grünen. Durch die Entsendung von männlichen Vertretern, trotz Kenntnis des Gesetzes, wird die Versammlung künstlich aufgebläht, weil manche einfach ihre Quotenfrau nachnominiert haben, anstatt im Vorfeld darüber nachzudenken, wen sie entsenden. Verwunderlich war auch, dass eine Partei, die in einer ihrer ersten Amtshandlungen im neu gewählten Landtag die Abschaffung des Gleichstellungsausschusses forderte, plötzlich einen Platz auf dem Gleichstellungsticket beanspruchen wollte.

Frage: Das Prozedere der Nachwahl ist sehr umstritten und wird von Ihnen, Frau Eisner, auch im Nachgang heftig kritisiert. Warum?

Eisner: Das gewählte und praktizierte Wahlverfahren glich einer entwürdigenden Fleischbeschauung. Die zur Wahl stehenden 15 Frauen mussten sich in einer Vorstellungstortour den Versammlungsmitgliedern präsentieren. Sie wurden einzeln vorgeführt und warteten zwischendrin gemeinsam in einem anderen Raum. Das war eine Zumutung sowohl für die Kandidatinnen, als auch für die Versammlung. Die Auslegung des Gesetzes ließ angeblich keine Vorauswahl zu, keine Absprache mit dem Landesfrauenrat. „Im Benehmen“ hieß jetzt noch, dass ich mich im Vorfeld zur Liste der Kandidatinnen äußern konnte.

Frage: Welche Bedenken hatten Sie dabei?

Eisner: Trotz all der oben genannten Informationen gab es keine wirklichen Kriterien für eine Wahl. Wonach wollten die Wahlberechtigten entscheiden? Die eigene Organisation vertreten zu sehen? Die gegebene Fachlichkeit? Die Abbildung der Bevölkerung Thüringens? Der nötigen Staatsferne von Mitgliedern in solchen Gremien? Der Lohn für eine erste männliche oder weibliche Benennung? Oder, ob die Kandidatin hübsch genug war, oder schön angezogen? Ich habe dies zu bedenken begeben und rigoros alle Kandidatinnen gestrichen, die durch dieses Raster fielen. Vier blieben übrig, von denen sogar zwei die Mitgliedschaft antreten konnten. Bitter ist, die unglückliche und entwürdigende Prozedur mit der Konformität des Gesetzes zu begründen. Das kann so nicht gewollt sein.

Frage: Was ist Ihr Fazit nach dieser unglücklichen Nachwahl?

 Eisner: Dass ein Signal für die künftige Gremienbesetzung in Thüringen ausgeht ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn es gibt noch mehr Gremien in den Frauen nicht gesetzeskonform mit dem Thüringer Gleichstellungsgesetz berücksichtigt werden. Der LFR wird aber die neue Landesregierung auffordern, das Landesmediengesetz an dieser Stelle nachzubessern. Die neue Regierung hat es doch vorgemacht- mit einer ausgewogenen Ministerriege. Das muss auch für Gremien wie die TLM Normalität werden. Dafür werde ich mich weiterhin mit aller Kraft einsetzen.


Danke für das Gespräch (Die Fragen stellte:
Katharina Seidel, Presseverantwortliche des Landesfrauenrates Thüringen e.V.)

Nachgewählt wurden übrigens: eine Vertreterin der Familienverbände, des Landessportbundes, des Bauernverbandes und der CDU Fraktion.

V.i.S.d.P. und für Rückfragen: Ilona Helena Eisner: 0176/19662307

 
Offener Brief

der Vorsitzenden des Landesfrauenrates Thüringen e. V. an den TLZ-Chefredakteur Bernd Hilder zu den Beiträgen: „Auch Goethe war ein Fremder“ (TLZ 16.07.2014) und „Höcke: Drei-Kinder-Familie ist politisches Leitbild“ (21.07.2014)

Sehr geehrter Herr Hilder,

normalerweise lese ich nur aufmerksam und durchaus kritisch Ihre Tageszeitung und halte mich mit Kommentaren an die Redaktion zurück, obwohl es mir schon so einige Male in den Fingern juckte. Da Papier aber geduldig ist, sehe ich Ihren gestressten Redakteurinnen und Redakteuren jedoch so manchen Rechtschreibfehler nach. Aber das gilt nicht mehr für die einfache Mathematik! Da hört für mich das Verständnis doch auf, wenn gestandene Journalisten nicht bis fünf zählen können und sich heute nicht mehr an ihr Versprechen von vor einer Woche erinnern können. Ist das Zufall oder Absicht, Herr Hilder?

Worum geht es: In Ihrem Leserdialog der TLZ vom 16.07.2014 kündigen Sie auf der Seite 19 oben rechts vollmundig an, dass Sie „mit jedem Spitzenkandidaten der fünf im Landtag vertretenen Parteien… ein ganzseitiges Interview führen“, was in der heißen Phase vor der anstehenden Wahl am 14. September ja eine meinungsstärkende Maßnahme darstellt und von Ihrer Leserschaft begrüßt wird. Im Landtag sitzen- für Sie zur Erinnerung- die gewählten VertreterInnen der CDU, SPD, Die LINKE, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.So weit, so gut. Aber warum, Herr Hilder, stellen Sie am Montag, dem 21. Juli 2014, in der TLZ ganzseitig eine Mini-Partei vor, die bisher weder im Landtag gesessen hat und halb so viele Mitglieder hat wie eine x-beliebige Ortschaft in Thüringen, nämlich stolze 350? Die meisten Thüringer Dörfer haben mehr EinwohnerInnen als die AfD in ganz Thüringen Mitglieder.

Sie bieten damit einer Partei, die „Thüringen als politischen Sumpf“ bezeichnet, bisher nur durch parteiinterne Grabenkämpfe sowie ausländerfeindliche bzw. homophobe Äußerungen aufgefallen ist und ein durchweg schwammiges und nebulöses Wahlprogramm vor sich herträgt, ein Podium, das diese nutzt, um sich als „neue Volkspartei“ zu profilieren und die Drei-Kind- Familie zum politischen und gesellschaftlichen Leitbild zu erheben. Will uns da jemand vorschreiben, wie wir leben sollen? Eine Partei, die von sich behauptet, „eine historische Mission“ zu haben, halten wir vom Landesfrauenrat Thüringen für gefährlich, denn sie wird mit solchen Parolen sehr schnell zum Sammelbecken braunen Gedankengutes, bei dem die „deutsche Frau“ schon einmal als Gebärmaschine für die politischen Ziele missbraucht wurde. Sätze wie „Unsere Zeit wird kommen, so oder so“ machen jeden Menschen stutzig, der mit wachem Verstand das tagespolitische Geschehen in Deutschland und Europa verfolgt. Sprache ist verräterisch, wer wie Herr Höcke, von „natürlicher Geschlechterordnung“ und „positiver Unterordnungsfähigkeit“ spricht, der spricht sich auch gegen Gleichstellung und selbstbestimmte Lebensentwürfe aus. Die aus unserer Sicht bewusste Aufwertung der AfD durch Ihre Berichterstattung hinterlässt den faden Beigeschmack, dass die AfD in Ihren Augen bereits zu den Gewinnern der Landtagswahl am 14. September gehört.

Der Landesfrauenrat Thüringen, der sich seit über 20 Jahren für die Gleichstellung der Frauen in Beruf und Gesellschaft engagiert, macht sich ernsthafte Sorgen, ob man einer Partei, die die Frau wieder in ihre historisch bereits überwundene Rolle als Mutter und Hausfrau bewusst und zielgerichtet zurückdrängen will, wirklich Vertrauen schenken sollte.

Und es stellt sich natürlich die Frage: Wem bieten Sie als nächstes ein solches Podium der Selbstdarstellung?

Mit freundlichen Grüßen

Ilona Helena Eisner
(Vorsitzende Landesfrauenrat Thüringen e. V.)

 
Landesfrauenrat Thüringen e. V. ruft alle Thüringerinnen und Thüringer auf: Gehen sie wählen für ein solidarisches Europa und solidarische Kommunen!

An diesem Sonntag finden in Thüringen nicht nur die Europawahlen sondern auch Kommunalwahlen statt. Damit Gleichstellungspolitik auf der politischen Agenda bleibt und die demokratische Entwicklung der Europäischen Union gesichert wird, müssen die EU-Bürgerinnen und -Bürger ihr Wahlrecht wahrnehmen und Abgeordnete wählen, die sich diesen Zielen verschrieben haben. Denn Europa läuft Gefahr, dass neoliberale und radikale konservative Kräfte das gemeinsame Parlament nutzen werden, um ein rückwärtsgewandtes Frauen- und Familienbild zu propagieren und Geschlechtergleichstellung in Frage zu stellen. Das Europäische Parlament muss daher in seinen Bemühungen um die Durchsetzung einer engagierten Politik für die Gleichstellung von Frauen und Männern gestärkt werden.

„Als überzeugte Europäerinnen sind wir besorgt um die Entwicklungen der Europäischen Politik. Gerade die Gleichstellung von Frauen und Männer wurde in den letzten Jahren maßgeblich vom Europäischen Parlament vorangetrieben. Hier darf es keine Rückschritte oder gar einen emanzipatorischen Rollback geben.“, mahnt die Vorsitzende Ilona Helena Eisner. Wir Frauen sind die Hälfte Europas. Und wir wollen die Hälfte der Macht für wichtige Entscheidungen, die auf EU-Ebene getroffen werden und unser tägliches Leben beeinflussen. Nur eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben sichert Chancengleichheit und die demokratische Legitimität der Europäischen Union. Das gleiche gilt für die Gemeinde-, und Stadträte so wie die zu wählenden Kreistage. Noch immer sind Frauen in diesen Gremien unterrepräsentiert. In einigen Kommunen gab es in den letzten Jahren sogar einen rückläufigen Frauenanteil.

„Wir sind der festen Überzeugung, eine moderne Demokratie braucht die Gleichstellung von Männern und Frauen auf allen Ebenen. Dazu gehört auch eine paritätische Besetzung aller Räte und Parlamente. Am Sonntag können Sie sich ganz bewusst für Frauen entscheiden. Geben Sie Frauen ihre Stimme und stärken Sie damit eine moderne Demokratie!“, so die Vorsitzende abschließend.

 
Zum internationalen Hebammentag am 5. Mai 2014:

Landesfrauenrat Thüringen e. V. fordert ein klares Bekenntnis zum Hebammenberuf

Die freiberuflichen Hebammen in Deutschland und Thüringen bangen weiter um ihren Beruf. Zwar gibt es nun bis Juli 2015 eine Haftpflichtversicherung, danach stehen die Hebammen aber wieder vor der gleichen Frage wie auch schon in den letzten Monaten. Auch die neuerliche Erhöhung der Haftpflichtprämie für freiberufliche Hebammen, ist nicht mehr zu verkraften und führt zu einem Sterben auf Raten. Damit stehen freiberufliche Hebammen vor dem Aus, denn ohne Haftpflichtversicherung dürfen sie nicht arbeiten. Damit steht in Deutschland viel auf dem Spiel. Nicht nur die freie Wahl des Geburtsortes ist somit faktisch unmöglich, auch die Vor- und Nachsorge einer Geburt kann so nicht mehr sichergestellt werden.

„Hebammen in Deutschland helfen nicht nur Kindern auf die Welt, sie sind auch wichtige Stützen für junge Familien in der ersten Zeit mit einem Säugling. Sie organisieren Unterstützung wo benötigt und bilden somit auch ein Scharnier zwischen Gesundheitsversorgung und Kinderschutz. Kein anderer Beruf kann diese wichtige Aufgabe adäquat ersetzen. Schwangerschaft ist keine Diagnose und Geburt keine Krankheit. Damit das so bleibt brauchen wir Hebammen.“ so die stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrat Thüringen, Birgit Schuster.

Zum internationalen Hebammentag fordert der Landesfrauenrat Thüringen e.V. ein klares Bekenntnis der Politik zu den Hebammen in Thüringen. „Wir schließen uns abermals den Forderungen des Deutschen HebammenVerbandes e.V. an und erwarten ein deutliches Zeichen aus Thüringen in Richtung der Großen Koalition im Bund.“ So Birgit Schuster abschließend.

V.i.S.d.P. und für Rückfragen Birgit Schuster 0172/3527350 oder Madeleine Henfling: 0170/9618722

Hintergrundinformationen Forderungen des Deutschen HebammenVerbandes e.V.: http://www.hebammenverband.de/aktuell/

Forderungen zur Lösung der Haftpflichtproblematik

1. Es muss eine Haftungsobergrenze festgelegt werden, bis zu der die Hebamme für von ihr verursachte Schäden haftbar gemacht werden kann.
Schäden, die darüber hinausgehen, müssen aus einem öffentlich finanzierten Haftungsfonds beglichen werden. Die Prämienspirale der Haftpflichtversicherungen für Hebammen nimmt kein Ende. Bereits jetzt sind die Versicherungsprämien im Verhältnis zum Vergütungsniveau in eine unerschwingliche Höhe gestiegen. Während die Haftpflichtprämie für die Geburtshilfe 2003 435 Euro betrug, sollen freiberufliche Hebammen ab Juli 2014 bereits 5091 zahlen. Demgegenüber stehen Verdienste von durchschnittlich 8,50 € netto pro Stunde. Die hohen Prämien sind nicht durch eine Zunahme der Schadensfälle, sondern durch stetig steigende Schadenssummen bedingt. Während 2003 noch davon ausgegangen wurde, dass 2,5 Millionen € für die Regulierung eines Schadens ausreichen, deckt die DHV-Versicherung heute schon 6 Millionen € ab. Darüber hinaus haften Hebammen privat. Eine Haftungsobergrenze in Verbindung mit einem öffentlich finanzierten Fonds würde diese Spirale durchbrechen und dazu führen, dass Hebammen und andere Geburtshelfer vor dem
finanziellen Ruin trotz angemessenem Versicherungsschutz bewahrt werden. Dies würde die Arbeit freiberuflicher Hebammen und damit die flächendeckende Versorgung bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sichern. Gleichzeitig wäre für die Opfer von Geburtsschäden durch den Fonds garantiert, dass sie ihre Ansprüche sicher geltend machen können, da ihnen ein solventer Anspruchsgegner gegenüber stünde. Gekoppelt an versicherungsrechtliche Regelungen könnte zudem der Versicherungsmarkt gestärkt werden und wieder mehr Versicherer motiviert werden, Hebammen ausreichenden Versicherungsschutz anzubieten.

2. Die Regressforderungen der Sozialversicherungsträger (Kranken- und Rentenversicherungen) müssen gedeckelt werden.
Wird ein Kind bei der Geburt geschädigt, kommen zunächst die Sozialversicherungsträger für die entstehenden Kosten auf. Dazu gehören beispielsweise Heilbehandlungs-, Pflege- und Rentenansprüche. Wenn festgestellt wird, dass eine Hebamme für diesen Fall haftet, fordern
die Sozialversicherungsträger Regress vom zuständigen Versicherungsunternehmen. Diese Regressforderungen haben einen erheblichen Anteil an den Schadenssummen. Im Bereich der Hebammen machen Regressforderungen für schwere Geburtsschäden mittlerweile zwischen 30 und 35 Prozent der gesamten Schadensaufwandes aus. Durch eine Deckelung der Regresshöhe, würde sich die Versichertengemeinschaft indirekt an den Kosten der Haftpflichtprämie beteiligen. Denn zu den Pflichten von Krankenkassen gehört es auch, notwendige medizinische Leistungen, wie die Arbeit der Hebammen, trotz steigender Kosten zu erhalten. Mit einer Deckelung der Regressforderungen könnte eine widersinnige Entwicklung gestoppt werden: So fordern die Sozialversicherungsträger zum einen immer mehr Geld von den Hebammen zurück und treiben damit die Haftpflichtprämien in die Höhe. Gleichzeitig stehen die Krankenversicherungen in der Verantwortung, die steigenden Haftpflichtprämien auszugleichen. So entstehen unnötige Kosten, da beispielsweise auf jeden Euro Haftpflichtprämie 19 Prozent Versicherungssteuer zu zahlen sind.

3. Es muss eine gesetzliche Grundlage für ein Umlagesystem der Haftpflichtkosten außerhalb der Leistungspositionen geschaffen werden. Nur so können die Kosten für die Haftpflichtprämie auch tatsächlich ausgeglichen werden.
Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, die Haftpflichterhöhungen wieder auszugleichen. Das Sozialgesetzbuch V legt fest, dass die Prämiensteigerungen über die Vergütungspositionen aufgefangen werden sollen. Dabei werden aber die tatsächlichen Kosten der Hebammen nicht berücksichtigt. Dieser Ausgleich ist an Leistungspositionen geknüpft, d.h. die Steigerungssumme wird beispielsweise pauschal pro Geburt umgelegt. Infolgedessen bezahlen alle Hebammen die gleichen Prämien, bekommen die Steigerungen derselben aber in unterschiedlicher Höhe bezuschusst. Hebammen, die weniger Frauen entbinden als der Durchschnitt, erhalten keine ausreichende Kompensierung ihrer persönlichen Mehrkosten durch die Haftpflichtversicherung.

 
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